Nach dem Speck und den Loacker frage ich mich, was eigentlich mit Zucker ist: Gibt es sowas wie Zuckersucht? Als Diagnose gibt es sie nicht, weder im ICD-11 noch im DSM-5, und eine Übersichtsarbeit aus Cambridge von 2016 fand beim Menschen kaum Belege dafür, dass Zucker als Stoff süchtig macht. Die berühmten Ratten wurden nur dann zu Zucker-Bingern, wenn sie im Zwölf-Stunden-Wechsel erst gar nichts und dann Zuckerlösung samt Futter bekamen, nicht bei freiem Zugang. Was die Forschung dagegen ernst nimmt, ist Sucht nach hochverarbeitetem Essen, vor allem nach der Kombination aus Fett und Kohlenhydraten wie in einem Snickers: Sie spricht das Belohnungssystem im Gehirn stärker an als beides einzeln, und in einem Fragebogen, der die DSM-Kriterien für Substanzabhängigkeit auf Essen überträgt, erfüllen rund 14 Prozent der untersuchten Erwachsenen die Kriterien. Das passt zu dem, was ich bei den Loacker gemerkt habe: Es ging nie um den Zucker, sondern um Lust auf irgendwas.
Quellen
- Westwater, Fletcher, Ziauddeen (2016): Sugar addiction: the state of the science. European Journal of Nutrition — https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5174153/
- Avena, Rada, Hoebel (2008): Evidence for sugar addiction: behavioral and neurochemical effects of intermittent, excessive sugar intake. Neuroscience & Biobehavioral Reviews — https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17617461/
- DiFeliceantonio et al. (2018): Supra-Additive Effects of Combining Fat and Carbohydrate on Food Reward. Cell Metabolism — https://www.cell.com/fulltext/S1550-4131(18)30325-5
- Gearhardt et al. (2023): Social, clinical, and policy implications of ultra-processed food addiction. BMJ — https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10561019/