Gestern habe ich 200 g Speck und 13 kleine Pizzaschnitten gegessen, obwohl ich eigentlich keinen Speck mehr essen wollte — er lag da. In Laborstudien, meist mit normalgewichtigen Studentinnen, aßen Menschen, die sich beim Essen zügeln, nach einem vermeintlichen Diätbruch mehr statt weniger, und dafür konnte schon der Glaube genügen, zu viel gegessen zu haben. Polivy und Herman nennen das den What-the-hell-Effekt — warum es passiert, ist umstritten. Auch die Nähe ist untersucht: Liegt ein Snack weiter weg, wird weniger davon gegessen — ein Cochrane-Review von 2019 findet einen moderaten Effekt bei niedriger Evidenzsicherheit, überwiegend aus Laborstudien. Und in einer Studie über sechs Wochen (Martin et al. 2025, herstellerfinanziert) senkte Tirzepatid, der Wirkstoff in Mounjaro, im Mittel Hunger, Verlangen und die Reaktion auf Essensreize in der Umgebung, die bewusste Zügelung beim Essen aber nicht.
Quellen
- Polivy J, Herman CP. Overeating in Restrained and Unrestrained Eaters. Frontiers in Nutrition 2020. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7096476/
- Hollands GJ et al. Altering the availability or proximity of food, alcohol, and tobacco products to change their selection and consumption. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019. https://doi.org/10.1002/14651858.CD012573.pub2
- Martin CK et al. Tirzepatide on ingestive behavior in adults with overweight or obesity: a randomized 6-week phase 1 trial. Nature Medicine 2025. https://www.nature.com/articles/s41591-025-03774-9